Meine Blase ist voll

… nicht meine Vesica urinaria a.k.a. Harnblase. Nein, meine Freundesblase, das Konglomerat von Anhängern, Followern, Fans – drüben bei Facebook, you know.

Sie nahm im Laufe der Monate und Jahre eine annehmbare Größe an, füllte sich dabei immer weiter. Ich hatte gut an ihr zu tragen, wir kamen miteinander klar. Taten das sehr lange, sie gehörte zu mir. Die Klientel ihres Inneren bestand einst aus aufgeweckten, bisweilen überdurchschnittlich intelligenten und nicht selten sehr lustigen Zeitgenossen/Zeitgenossinnen und der befruchtende Mehrwert der gemeinsamen Interaktion war nie zu bestreiten.

Heute beäuge ich das alles mit gemischten Gefühlen. Bei detaillierter Betrachtung vieler Veröffentlichungen toller Menschen innerhalb des genannten Raumes muss ich mir nämlich persönlich etwas vorwerfen. Ich habe etwas verpasst, nämlich den Moment, in dem der große ganze, lebendige Diskurs aller Beteiligten umkippte. Eine schleichende Transformation muss das gewesen sein, ich merk doch sonst alles! Vom Zustand eines agilen und sich gegenseitig vorantreibenden Kollektivs, hin zu einer Art Animationsmob aus, sich fortwährend gegenseitig beweihräuchernder Schulterklopferbots von Fleisch und Blut.

FBLK

Das Spiel geht seit einiger Zeit so: Eine(r) postet – kann sich dabei seiner kalkulierbaren Menge Abo-Likes sicher sein. Unabhängig von Qualität, Kontroverse und Art des Inhalts wird der Urheber abgelikt und weggeliebt, als gäbe es kein morgen. So einfach ist das, zu einfach. Facebook ist heute dicker als Wasser – man unterstützt sich gegenseitig, wo es geht. Content wird via „Gefällt mir“ nur noch sekundär oder besser gleich nur am Rande honoriert. Es geht fast ausschließlich um Personen. „XY hat was gepostet. Egal was, sowieso geil – hier, mein Like!“. Nur noch wenig Diskurs, kaum noch Einwände – Lagerfacebooking

Meine Blase ist voll. Und ihr Mehrwert nimmt ab. Verschleiß oder nur eine Tendenz? Bleibt abzuwarten. Ich trage sie weiter mit mir herum und werde in ihr aufgehen. Ich kann ja nicht anders. Hoffe, wir bekommen den Dreh. Denn letztlich ist es so: auch wenn ich an der sozialmedialen Nadel hänge, Bestätigung allein macht Facebook für mich – bei aller Eitelkeit – langfristig nicht weiter zu einer Option. | Burning Bush

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