#SCHULTRAS – ikonisierter Support der SPD

Die SPD tut sich mit der vielerorts diskutierten Amerikanisierung ihres Wahlkampfes für Martin Schulz sicher nur partiell einen Gefallen. Dieser in Deutschland neue, ikonisierte Support seitens der #SCHULTRAS wirkt auch auf mich befremdlich, wenngleich er aus der Perspektive „den Kunden da abholen, wo er sich aufhält“ sicher sogar sinnvoll ist. Das wird jetzt so durchgezogen bis zum Herbst… Emotionen bedienen, Event – es muss knallen.

Dass viele der Kritiker dieser Entwicklung in Martin Schulz persönlich die Ursache ausmachen, ist aus meiner Sicht ziemlich haltlos. Ein Sozialdemokrat hat seit gefühlten Ewigkeiten mal wieder die reale Chance, im Rennen um das Amt des Bundeskanzlers ein gehöriges Wort mitzusprechen – er wird so gut wie jede ihm angebotene Art der Unterstützung dankend in Anspruch nehmen.

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Mir stellt sich eine andere Frage viel deutlicher: Welche in Jahren und Jahrzehnten entstandenen Defizite bewirken solche Dynamiken überhaupt erst? Um der Person Schulz den aktuellen Hype jetzt anzukreiden, muss ich die Tatsachen schon sehr simpel runterbrechen. Vielmehr sollten sich diejenigen, die sich nun beharrlich für eine weitere Amtszeit Angela Merkels aussprechen fragen, ob nicht genau sie eine der Hauptfiguren bei der Entstehungsgeschichte dieses neuen Hungers nach politischen Ikonen ist?

Die Bundeskanzlerin zehrt in Sachen Image nun länger schon überwiegend von der bloßen Existenz unsäglicher Berufsbösewichte wie Horst und Donald. Das wird am Ende vor den Wählern sehr dünn – völlig egal, mit wie vielen PopArt-Schildern dem St. Martin von Würselen in den kommenden Monaten gehuldigt wird. | Burning Bush

(Foto: http://www.spiegel.de)

Meine Blase ist voll

… nicht meine Vesica urinaria a.k.a. Harnblase. Nein, meine Freundesblase, das Konglomerat von Anhängern, Followern, Fans – drüben bei Facebook, you know.

Sie nahm im Laufe der Monate und Jahre eine annehmbare Größe an, füllte sich dabei immer weiter. Ich hatte gut an ihr zu tragen, wir kamen miteinander klar. Taten das sehr lange, sie gehörte zu mir. Die Klientel ihres Inneren bestand einst aus aufgeweckten, bisweilen überdurchschnittlich intelligenten und nicht selten sehr lustigen Zeitgenossen/Zeitgenossinnen und der befruchtende Mehrwert der gemeinsamen Interaktion war nie zu bestreiten.

Heute beäuge ich das alles mit gemischten Gefühlen. Bei detaillierter Betrachtung vieler Veröffentlichungen toller Menschen innerhalb des genannten Raumes muss ich mir nämlich persönlich etwas vorwerfen. Ich habe etwas verpasst, nämlich den Moment, in dem der große ganze, lebendige Diskurs aller Beteiligten umkippte. Eine schleichende Transformation muss das gewesen sein, ich merk doch sonst alles! Vom Zustand eines agilen und sich gegenseitig vorantreibenden Kollektivs, hin zu einer Art Animationsmob aus, sich fortwährend gegenseitig beweihräuchernder Schulterklopferbots von Fleisch und Blut.

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Das Spiel geht seit einiger Zeit so: Eine(r) postet – kann sich dabei seiner kalkulierbaren Menge Abo-Likes sicher sein. Unabhängig von Qualität, Kontroverse und Art des Inhalts wird der Urheber abgelikt und weggeliebt, als gäbe es kein morgen. So einfach ist das, zu einfach. Facebook ist heute dicker als Wasser – man unterstützt sich gegenseitig, wo es geht. Content wird via „Gefällt mir“ nur noch sekundär oder besser gleich nur am Rande honoriert. Es geht fast ausschließlich um Personen. „XY hat was gepostet. Egal was, sowieso geil – hier, mein Like!“. Nur noch wenig Diskurs, kaum noch Einwände – Lagerfacebooking

Meine Blase ist voll. Und ihr Mehrwert nimmt ab. Verschleiß oder nur eine Tendenz? Bleibt abzuwarten. Ich trage sie weiter mit mir herum und werde in ihr aufgehen. Ich kann ja nicht anders. Hoffe, wir bekommen den Dreh. Denn letztlich ist es so: auch wenn ich an der sozialmedialen Nadel hänge, Bestätigung allein macht Facebook für mich – bei aller Eitelkeit – langfristig nicht weiter zu einer Option. | Burning Bush

Ihre Liaison mit einem Giganten

Da ist ein anderer Typ.

Sie hat was mit ihm, was größeres – keine Vermutung, sondern fucking Fakt. Nicht sonderlich überraschend für mich – hab ihn schon länger im Auge. Diese Aufmerksamkeit, die sie ihm entgegenbringt, ist eine besondere, sehr hingebungsvolle. Sie hängt auf eine leidenschaftliche Art an seinen Lippen, nicht auszumalen… Er hat viel zu sagen, trifft einen fantastischen Ton und bringt ein unglaubliches Maß an Verständnis für alle real existierenden Unwägbarkeiten des Lebens auf. Er ist zugegebenermaßen unbeschreiblich. Sein Auftreten hat außerordentliches Format. Eine wirklich alles überstrahlende Mischung aus Souveränität, Erfolg und Sex – unbestritten, er ist ein Favorit, ein wahrhaftiger Gigant.

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Es fing vor wenigen Wochen an. Eigentlich geriet unser Leben erst seit seiner Beförderung so unaufhaltsam aus den Fugen. Ihr Interesse und ihre Aufmerksamkeit ihn betreffend nahm in einer Weise zu, wie ich es bis dato nicht kannte. Sie liegt seiner Argumentation zu Füßen und ist seinem genialen Humor hoffnungslos verfallen. Ich kann aktuell nur mutmaßen, ob wir gemeinsam wieder in die Spur finden, ob sie sich jemals von der eigenen Faszination gegenüber dieses Mannes lösen kann, lösen will – zu stark scheint die Anziehungskraft. Er ist kein „Nebenbuhler“, selbst der Begriff „Konkurrent“ trifft es nicht ansatzweise, ich bin so nichtig. Habe sowas nie zuvor erlebt und stehe den Dingen machtlos gegenüber. Nackt.

Ich werde dennoch alles geben – nehme den aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen auf, ich werde um sie kämpfen und alles Menschenmögliche dafür tun, die Frau zurückzugewinnen. Zurück aus den unabstreifbaren Gefühlstentakeln dieses fantastischen Übermenschen. Ich hasse Martin Schulz. | Burning Bush

(Foto: Rebelzer)

Dezenter Drang zu schreiben…

…aber die Themen gehen aus.

Natürlich könnte man sich textlich zur Zeit rund um die Uhr mit Gesellschaft und Politik auseinandersetzen. Das zöge aber unter an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Diskussionen nach sich – oder das, was aktuell dafür gehalten wird. Schnell und/oder drastisch formulierte und glasklare Haltungen gegenüber eigentlich verhältnismäßig diffizilen Themen und Fragestellungen. Für diese Art der Kommunikation werde ich mittelfristig nur sehr bedingt Lust und Motivation aufbringen können. Dabei ist diese in den vergangenen Jahren entstandene Kultur der digitalen Konfliktlösung eigentlich genau mein Ding. Ich halte mich für einigermaßen auffassungsschnell, in ausreichendem Maße textsicher und bewege mich auf dem nicht gerade maximal rutschfesten Terrain der Sozialen Medien einigermaßen unfallfrei. Freunde würden darüber hinaus von einer latenten Konfliktneigung sprechen. Wie auch immer, einer wie ich überlebt im Internet. Das allerdings, was da seit Tagen und Wochen (in der Wahrnehmung hat es immer erst kürzlich begonnen) mutiert, ist auch mir zu viel. Eine besondere Art überzogener Deutungshoheit und Rechthaberei auf allen Seiten drehen die Spirale absurder Argumentation ins nahezu Unermessliche. Da bin ich gerade irgendwie nicht mehr dabei. Diese Tatsache als solche ist auch eigentlich gar nicht mein Problem. Vielmehr habe ich damit zu tun, im Angesicht dieser Realitäten nicht komplett in Sarkasmus und Fatalismus zu verfallen. Das wäre naheliegend und sehr simpel. Ich werde weiter nachdenken und viel lesen – vielleicht ergeben sich neue Blickwinkel. Die nächsten Impressionen und Ideen werden sich einstellen, man hört ja nicht einfach auf zu schreiben und zu diskutieren.

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Bis dahin wäre ich aber heilfroh, wenn wir alle gemeinsam die Begriffe „Diskussion“ und „Debatte“ mal neu definieren oder beschreiben würden. Was unter diesen Labels momentan abläuft, führt nämlich zu 100% in eine Sackgasse. Das einzig positive, das die aktuelle Themenlage in mir verursacht ist eine Art Erleichterung darüber, dass es im Netz bald wieder flächendeckend ums „Dschungelcamp“ geht. Nicht, dass ich daran mittlerweile irgendwie partizipieren würde oder könnte, aber es lässt sich einfach um Längen besser ignorieren. | Burning Bush

(Foto: westerfreepress.com)

Wird hart

Das wird hart – 2017 ist Wahljahr. Als ob es nicht ausreichen würde, dass der gesamte deutsche Politzirkus offenkundig keine einzige Figur auszuspucken vermag, die auch nur theoretisch in der Lage wäre, es mit Angela Merkel aufzunehmen – nein, 2017 hat sich fest vorgenommen, das Jahr der AfD zu werden. Die Intelliganzamokläufer um Supergauland, Björn Hacke und die ungeküsste Frauke werden uns in noch höherer Frequenz als bisher mit ihrem nationalistischen Dauerauswurf penetrieren und den frustriertesten Teil des „Volkes“ weiter abtragen. Ich befürchte, wir werden uns weiter real und digital gegen dieses Gesindel stellen müssen und um am Ende dennoch einigermaßen alt und machtlos aussehen.

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Das wird dann vermutlich nicht zuletzt der rumreichen CSU zu verdanken sein. Was seitens dieser Partei und ihrer sprechenden Mülleimer 2016 dargeboten wurde, schlägt bei weitem, was ich mit all meiner Phantasie zu befürchten gewagt hätte. Der Gedanke daran, dass man im Rahmen dieser perfiden Art des Menschenfangs im neuen Jahr noch einen drauf legt, wird mir ganz anders. Ich denke zwar weiter darüber nach, wie wir das alles irgendwie auf die Reihe bekommen, aber ich bin ganz ehrlich – ich möchte dem Urheber von „Es gibt für alles eine Lösung“ eigentlich mal kräftig in den Arsch treten. 2017 ist Wahljahr – das wird hart. | Lars Kranenkamp

(Foto: CSU)